Hier also endlich, mit vier Wochen Verspätung, ein kleiner Bericht aus Vietnam, der gleichzeitig zu kurz und zu lang ist. Zu lang, weil der viele Text auf einige wahrscheinlich abschreckend wirkt und zu kurz, weil er trotzdem nur einen Bruchteil unserer Erlebnisse und meiner Gedanken zu Vietnam beinhaltet.
Mehr Fotos folgen später.
Nach einer viel zu langen Busfahrt kamen wir am 16.11.2013 mittags
in Saigon an, das seit 1976 eigentlich Ho Chi Minh City heißt. Das
war erstmal ein kleiner Kulturschock: Der Bus hielt an einer
Einkaufsstraße mitten in der Innenstadt, neben einer großen,
gepflegten Parkanlage mit künstlichen Teichen. Nirgends war Müll zu
sehen und die ganze Umgebung machte einen sehr „europäischen“
Eindruck.
Bei einem ersten kleinen Stadtrundgang, der uns zur Touristenfalle des Ben Tanh Markts und dem nicht besonders ansehnlichen Wiedervereinigungspalast führte, fielen noch mehr Unterschiede zu Kambodscha auf, vor allem der relative Reichtum der vietnamesischen Großstädte im Vergleich zu seinem ärmeren Nachbarn. Bedeutende Gebäude aus der Kolonialzeit sind im Allgemeinen gut restauriert, die Vietnamesen fahren neuere und bessere Motos, es gibt ein öffentliches Nahverkehrswesen und die Innenstadt ist sehr sauber. Außerdem ist man offensichtlich viel mehr an Ausländer gewöhnt und die Vietnamesen haben recht offensive Verkaufstrategien entwickelt, die uns später in Hanoi noch ziemlich auf die Nerven gehen sollten. Eine Masche der Staßenverkäufer ist es beispielsweise, ihr Schulterjoch mit den zwei Körben wie zum Spaß auf die Schultern eines Touristen zu legen, damit dieser sich vorstellen kann, wie es ist, den ganzen Tag mit so einem Ding herumzulaufen. Danch versucht der Händler natürlich mit allen Mitteln, den Touristen zum Kauf seiner Waren zu animieren und man hat unweigerlich ein schlechtes Gefühl, wenn man nichts kauft, weil die Leute so wahnsinnig freundlich sind.
Nachmittags machten wir uns dann auf den Weg zum Flughafen, denn wir wollten noch am gleichen Tag weiter in das über 1100km nördliche gelegene Hanoi. Unser Flug hatte letztlich vier Stunden Verspätung, was bei Inlandsflügen aber keine Seltenheit ist. Wenigstens ist er nicht ausgefallen und so waren wir alle froh, als wir dann doch noch in der Hauptstadt ankamen. Dort wartete schon die nächste Überraschung: Gegen Mitternacht, als wir auf der Suche nach unserem Hostel durch die Altstadt liefen, war die Stadt wie ausgestorben. Sämtliche Bars und Restaurants waren geschlossen, die Straßen wie leergefegt. In Vietnam geht man früh zu Bett, anscheinend vor allem im Norden.
Nach unserer Ankunft früh um 5 in Saigon blieb uns noch genau ein Tag in Vietnam, bevor wir wieder zurück nach Phnom Penh mussten. Nach einem ausgiebigen Frühstück erkundeten wir vormittags die Stadt zu Fuß und fuhren am Nachmittag zu den Cu-Chi-Tunneln. Diese wurden von den Vietminh während des Unabhängigkeitskriegs mit Frankreich errichtet und während des Vietnamkriegs (in Vietnam als Amerikanischer Krieg bezeichnet) von den Vietcong enorm ausgebaut. Sie erstrecken sich über 200km, besaßen drei Etagen, die bis zu 12m unter die Erde reichten und dienten den Partisanen als Unterschlupf und Ausgangspunkt für Angriffe gegen amerikanische Soldaten (die ganz in der Nähe eine Militärbasis errichtet hatten, ohne etwas von der Existenz der Tunnel zu ahnen). Davon abgesehen boten die Tunnel aber auch der örtlichen Bevölkerung Schutz vor Bombardierungen und beherbergten Lazarette, Schulen, Kindergärten und Büros. Die Verbindungsgänge waren mit Abmessungen von ca. 80x60cm so eng, dass viele Europäer und Amerikaner nicht einmal durchpassten. Heute kann man durch einen Tunnel kriechen, der extra für westliche Touristen vergrößert wurde – und selbst das ist ein ziemlich klaustrophobisches Erlebnis. Am Abend bekamen wir dann noch einen Eindruck vom wahnsinnigen Nightlife in Saigon. Die Innenstadt quillt über vor Menschen und jedes noch so kleine Restaurant stellt seine Tische bis auf die Straße, auf der dann sowieso kein Auto mehr durchkommt. Und so ließen wir dann inmitten des Trubels einen wunderschönen Urlaub bei leckerem vietnamesischen Essen ausklingen und machten schon Pläne, wo wir das nächste Mal hinfahren würden. Denn eins steht fest: Eine Woche ist viel zu wenig für dieses facettenreiche Land.
Bei einem ersten kleinen Stadtrundgang, der uns zur Touristenfalle des Ben Tanh Markts und dem nicht besonders ansehnlichen Wiedervereinigungspalast führte, fielen noch mehr Unterschiede zu Kambodscha auf, vor allem der relative Reichtum der vietnamesischen Großstädte im Vergleich zu seinem ärmeren Nachbarn. Bedeutende Gebäude aus der Kolonialzeit sind im Allgemeinen gut restauriert, die Vietnamesen fahren neuere und bessere Motos, es gibt ein öffentliches Nahverkehrswesen und die Innenstadt ist sehr sauber. Außerdem ist man offensichtlich viel mehr an Ausländer gewöhnt und die Vietnamesen haben recht offensive Verkaufstrategien entwickelt, die uns später in Hanoi noch ziemlich auf die Nerven gehen sollten. Eine Masche der Staßenverkäufer ist es beispielsweise, ihr Schulterjoch mit den zwei Körben wie zum Spaß auf die Schultern eines Touristen zu legen, damit dieser sich vorstellen kann, wie es ist, den ganzen Tag mit so einem Ding herumzulaufen. Danch versucht der Händler natürlich mit allen Mitteln, den Touristen zum Kauf seiner Waren zu animieren und man hat unweigerlich ein schlechtes Gefühl, wenn man nichts kauft, weil die Leute so wahnsinnig freundlich sind.
Nachmittags machten wir uns dann auf den Weg zum Flughafen, denn wir wollten noch am gleichen Tag weiter in das über 1100km nördliche gelegene Hanoi. Unser Flug hatte letztlich vier Stunden Verspätung, was bei Inlandsflügen aber keine Seltenheit ist. Wenigstens ist er nicht ausgefallen und so waren wir alle froh, als wir dann doch noch in der Hauptstadt ankamen. Dort wartete schon die nächste Überraschung: Gegen Mitternacht, als wir auf der Suche nach unserem Hostel durch die Altstadt liefen, war die Stadt wie ausgestorben. Sämtliche Bars und Restaurants waren geschlossen, die Straßen wie leergefegt. In Vietnam geht man früh zu Bett, anscheinend vor allem im Norden.
Viele der Unterschiede zwischen Norden und Süden des
langgestreckten Landes sind bis heute bestehen geblieben. Zum einen
sind da das Klima, das im Süden ganzjährig tropisch ist, während
es im Norden schon mal ziemlich kühl werden kann, und die
verschiedenen Mentalitäten. Während die Südvietnamesen der Meinung
sind, dass ihre Landsleute im Norden seien zu ernst, in sich gekehrt
und geizig, werfen die Nordvietnamesen ihnen wiederdum vor,
oberflächlich und verschwendungssüchtig zu sein. (Das sind
natürlich reine Stereotypen – inwieweit sie tatsächlich
zutreffen kann ich nach nur einer Woche beim besten Willen nicht
beurteilen.) Zum anderen spielt natürlich die Geschichte des Landes
eine große Rolle. Schon vom 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts
war Vietnam in eine Nord- und eine Süddynastie geteilt, bevor einer
der vielen Nguyens in der vietnamesischen Geschichte das Land wieder
vereinen konnte. Im 20. Jahrhundert stand Südvietnam dann über 20
Jahre unter amerikanischem, kapitalistischem Einfluss, während der
Norden schon seit 1954 kommunistisch war. Seit dem Sieg Nordvietnams
im Jahr 1975 und der Wiedervereinigung des Landes gab es keine
größeren Auseinandersetzungen mehr, aber man kann sich leicht
vorstellen, dass vor allem ältere Menschen, die den Bürgerkrieg
selbst miterlebt haben, noch diverse Ressentiments hegen.
In Hanoi verbrachten wir die nächsten Tage mit Sightseeing. Auf
dem Programm standen die verwinkelte Altstadt mit ihren hunderten
kleinen Läden, das Revolutionsmuseum, der fast 1000 Jahre alte
Temple of Literature (die älteste Uni Vietnams), das Frauenmuseum,
ein chinesischer Tempel und natürlich das Ho-Chi-Minh-Mausoleum, in
dem der vietnamesische Revolutionsführer seit 1975 einbalsamiert
liegt – gegen seinen Willen. Ho Chi Minh führte privat ein sehr
bescheidenes Leben, wollte nach seinem Tod verbrannt werden und
wünschte, dass seine Asche in Nord-, Mittel- und Südvietnam
verteilt würde. Dies passte jedoch nicht zu den Plänen der
Kommunistischen Partei, die den bereits zu seinen Lebzeiten
praktizierten Personenkult weiter vorantrieb und dem Toten eine
Ruhestätte nach dem Vorbild des Lenin-Mausoleums in Moskau
errichteten. Das Mausoleum ist eine Art Pilgerstätte für die
Vietnamesen, vor seinen Toren bilden sich täglich lange
Besucherschlangen die von der Ehrengarde genaustens beobachtet
werden. Wer aus der Reihe tritt, wird zurückgepfiffen, wer im
Inneren des Mausoleums nicht genügend Respekt zeigt (z.B. weil er
die Hände in den Hosentaschen hat), wird ermahnt, und zum Überqueren
des riesigen Platzes benötigt man eine Sicherheitsgenehmigung.
Die strengen Regeln und die Überwachung erzeugen eine leicht orwellsche Atmosphäre und man wird wieder daran erinnert, dass man sich einem Einparteienstaat befindet, der kaum Abweichungen vom vorgegebenen Kurs duldet. Ansonsten merkt man als Tourist in Vietnam, abgesehen von den allgegenwärtigen Propagandaplakaten und der ganz offensichtlich ideologisch gefärbten Darstellung historischer Ereignisse in den Museen, nicht viel vom Sozialismus. Seit den als doi moi (Erneuerung) bezeichneten Reformen in den 1980er Jahren ist das Wirtschaftssystem weitestgehend kapitalistisch, auch wenn viele der größten Unternehmen noch immer in Staatshand sind. Kleine und mittlere Unternehmen florieren jedoch, wie man an der unglaublichen Geschäftstätigkeit in den größeren Städten unschwer erkennen kann, und ausländischen Investoren wurden relativ große Freiheiten eingeräumt. Die wirtschaftliche Liberalisierung ging jedoch nicht einer politischen einher – unabhängige Medien und eine Opposition sucht man weiterhin vergebens und kritische Blogger werden regelmäßig verhaftet.
Die strengen Regeln und die Überwachung erzeugen eine leicht orwellsche Atmosphäre und man wird wieder daran erinnert, dass man sich einem Einparteienstaat befindet, der kaum Abweichungen vom vorgegebenen Kurs duldet. Ansonsten merkt man als Tourist in Vietnam, abgesehen von den allgegenwärtigen Propagandaplakaten und der ganz offensichtlich ideologisch gefärbten Darstellung historischer Ereignisse in den Museen, nicht viel vom Sozialismus. Seit den als doi moi (Erneuerung) bezeichneten Reformen in den 1980er Jahren ist das Wirtschaftssystem weitestgehend kapitalistisch, auch wenn viele der größten Unternehmen noch immer in Staatshand sind. Kleine und mittlere Unternehmen florieren jedoch, wie man an der unglaublichen Geschäftstätigkeit in den größeren Städten unschwer erkennen kann, und ausländischen Investoren wurden relativ große Freiheiten eingeräumt. Die wirtschaftliche Liberalisierung ging jedoch nicht einer politischen einher – unabhängige Medien und eine Opposition sucht man weiterhin vergebens und kritische Blogger werden regelmäßig verhaftet.
Von Hanoi aus ging es weiter zur Halong-Bucht, wo wir spontan eine
3-tägige Bootsfahrt buchten. Eigentlich wollten wir nur einen Tag
bleiben, aber Überschwemmungen in Mittelvietnam sorgen dafür, dass
wir auf einen Besuch der Stadt Hoi An verzichteten. In Halong hatten
wir etwas Pech mit dem Wetter. Es war ziemlich kühl und teils sehr
diesig, sodass die imposanten Felsen der Bucht auf mich eher wie
norwegische Fjorde wirkten, statt wie Inseln in einem tropischen
Meer. Das war aber gar kein Problem, denn die Landschaft ist so
unglaublich fantastisch, dass man sie bei jedem Wetter genießen
kann.
Anschließend war es an der Zeit, sich wieder auf den Weg nach
Südvietnam zu machen. Und welches Transportmittel wäre da besser
geeignet als der Zug, der in ca. 32 Stunden die über 1700km von
Hanoi nach Saigon zurücklegt und dabei an der wundervollen Küste
Mittelvietnams vorbeifährt! Das war bei Weitem die längste Zugfahrt
meines Lebens und ein sehr schönes Erlebnis – jetzt fühle ich
mich gewappnet für eine Fahrt mit der Transsib. Die zwei Nächte im
Zug waren zwar nicht besonders komfortabel, da wir nur Sitze und
keine Betten im Schlafwagon gebucht hatten, aber auch nicht so
schlimm. Und das Gefühl, in der Morgendämmerung aufzuwachen und
nebelverhangene grüne Berge und stahlblaue Flüsse an sich
vorüberziehen zu sehen, ist einfach unbeschreiblich.
Nach unserer Ankunft früh um 5 in Saigon blieb uns noch genau ein Tag in Vietnam, bevor wir wieder zurück nach Phnom Penh mussten. Nach einem ausgiebigen Frühstück erkundeten wir vormittags die Stadt zu Fuß und fuhren am Nachmittag zu den Cu-Chi-Tunneln. Diese wurden von den Vietminh während des Unabhängigkeitskriegs mit Frankreich errichtet und während des Vietnamkriegs (in Vietnam als Amerikanischer Krieg bezeichnet) von den Vietcong enorm ausgebaut. Sie erstrecken sich über 200km, besaßen drei Etagen, die bis zu 12m unter die Erde reichten und dienten den Partisanen als Unterschlupf und Ausgangspunkt für Angriffe gegen amerikanische Soldaten (die ganz in der Nähe eine Militärbasis errichtet hatten, ohne etwas von der Existenz der Tunnel zu ahnen). Davon abgesehen boten die Tunnel aber auch der örtlichen Bevölkerung Schutz vor Bombardierungen und beherbergten Lazarette, Schulen, Kindergärten und Büros. Die Verbindungsgänge waren mit Abmessungen von ca. 80x60cm so eng, dass viele Europäer und Amerikaner nicht einmal durchpassten. Heute kann man durch einen Tunnel kriechen, der extra für westliche Touristen vergrößert wurde – und selbst das ist ein ziemlich klaustrophobisches Erlebnis. Am Abend bekamen wir dann noch einen Eindruck vom wahnsinnigen Nightlife in Saigon. Die Innenstadt quillt über vor Menschen und jedes noch so kleine Restaurant stellt seine Tische bis auf die Straße, auf der dann sowieso kein Auto mehr durchkommt. Und so ließen wir dann inmitten des Trubels einen wunderschönen Urlaub bei leckerem vietnamesischen Essen ausklingen und machten schon Pläne, wo wir das nächste Mal hinfahren würden. Denn eins steht fest: Eine Woche ist viel zu wenig für dieses facettenreiche Land.
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